Konzertsommer in der Wahlholzkirche

Ein besonderes Event! Die Kirche in der Kirche.

Der ortsansässige Hunsrückverein organisiert in der in einem Wiesental zwischen Hunolstein und Weiperath stehenden 800 Jahre alten Wahlholzkirche einige Konzerte.

Eigentlich wollte ich die Kirche anlässlich des Konzertes des mit mir befreundeten Quartetts "Sine Nomine" ausstellen, krankheitsbedingt konnte das Konzert leider nicht stattfinden, so dass wir uns einigten anlässlich des letzten Konzertes des diesjährigen Konzertsommers mit dem Kammerorchester "capella ausonia" aus Gräfendhron meine Wahlholzkirche in der Wahlholzkirche auszustellen.

Anlässlich dieser Ausstellung wurde auch der folgende Bericht in der Heimatzeitschrift "Die Hott" veröffentlicht.

Mein Steckenpferd

Schon als Kind gab es für mich – zumindest bei schlechtem Wetter und ich drinnen spielen musste - eigentlich nur ein Spielzeug: LEGO® . Der Boden meines Kinderzimmers war ständig mit den kleinen bunten Steinen aus Dänemark belegt. Das führte natürlich zu Unmut bei meiner Mutter, denn saugen oder sauber machen war dadurch unmöglich, lediglich ein schmaler Gang zum Fenster und zum Bett habe ich als Kompromiss zugelassen. Zudem hatte ich Glück, das ich einen LEGO® vernarrten „Pätter“ hatte und auch mein Vater hatte großen Spaß immer mal wieder mit den Steinen etwas zu bauen – vorzugsweise kleine Autos. So war gewährleistet, dass mein Steinebestand immer größer wurde.

Irgendwann kam dann aber doch die Zeit in der die kleinen bunten Steine ihre Zeit nur noch zusammengepackt in großen runden Waschmitteltonnen verbrachten. Schule und der Fußball forderten ihren Tribut und irgendwann kamen die Tonnen und Kisten dann hoch auf den Speicher. In der LEGO® Szene spricht man dann von den „Dark Ages“, also der dunklen Zeit.

Bis zu dem Tag vor ca. 10 Jahren an dem ich mit meiner heutigen Frau bei Freunden zum Essen eingeladen war. Es wurde gut gegessen und viel geredet als mein Bekannter völlig aus dem Zusammenhang heraus aufstand, in sein Arbeitszimmer ging und mit einem Fotoumschlag wiederkam. In diesem Umschlag hatte er Bilder aus seiner Kinderzeit und zwar aus seinem Kinderzimmer. Und dort sah es genauso aus wie in meinem Kinderzimmer – überall kleine bunte Steine. Außerdem waren auch Bilder einiger seiner damaligen Bauten zu sehen wie der Nachbau des „Betze“ oder das Olympiastadion von Barcelona mit Heike Henkel beim Hochsprung. Ich war wie „angefixt“, der LEGO® Virus hatte mich wieder komplett gepackt. Am nächsten Morgen ging ich noch vor dem Frühstück auf den Speicher und holte mein LEGO®  herunter. Zunächst einmal war das mühselige Reinigen der Steine angesagt aber die Lust zum LEGO®  bauen war wieder voll da.

Ich fing damit an meine alte Raumstation wieder aufzubauen und auch einige der alten Sets wieder zusammen zu bauen. Es kamen auch einige neue Sets zu meiner Sammlung hinzu. Natürlich nutzte ich das Internet auch um zu schauen was in der großen weiten LEGO® Welt denn so alles mit den kleinen bunten Steinen gebaut wird und so entstand langsam die Idee selbst eine Eigenkreation zu bauen. Ich musste auch nicht lange überlegen was ich denn in Angriff nehmen wollte, denn meine Heimat Morbach und ihre Umgebung bietet jede Menge historische Bauten die in LEGO®  umgesetzt werden wollten. Und so startete ich Ende 2013 mit der Planung für den Bau der Burg Baldenau so wie sie vermutlich im 13ten und 14ten Jahrhundert ausgesehen hat. Hierbei waren mir die Informationen und Bilder aus der Chronik Hundheim und die meines Nachbarn Berthold Staudt eine große Hilfe.

Im April 2014 besuchte ich die LEGO® Ausstellung im saarländischen Freisen. Große Stadtszenen, mannshohe Kräne und viele Eigenbauten fanden meine Begeisterung. Bei dieser Ausstellung lernte ich den Ambassador Gilbert Franzetti der registrierten Lego User Group AFOL.lu aus Luxemburg kennen. Wir hatten ein sehr langes und interessantes Gespräch so dass ich mich unmittelbar nach meiner Ankunft zu Hause in der Internet-Community von AFOL.lu anmeldete. Dort wird ein Forum geboten in dem sich AFOL’s (Adult Fan of LEGO®  = Erwachsener Lego Fan) über Bauwerke, Bautechniken und über das Produkt LEGO®  an sich austauschen. Parallel hatte ich mit dem Bau meiner Burg begonnen, merkte aber doch recht schnell, dass ich zum einen mit meinen Steinen und auch mit meinem Bau-Latein am Ende war. Der runde Turm, der Winkel im Übergang Turm zur Burgmauer stellten mich doch vor große Rätsel und so war ich froh im Forum jede Menge Ratschläge zu erhalten.

Leider ist es bei Internetforen so, dass man sein Gegenüber nicht persönlich kennt. Das sollte sich im November 2014 ändern. Ich fuhr nach Saarbrücken zum dortigen LEGO® Store um dort meinen Vorrat an Steinen für den Bau der Burg aufzufrischen. Dort kam ich mit einem Mann meines Alters ins Gespräch und nach ein paar Minuten stellten wir fest, dass wir uns bereits aus dem Forum bei AFOL.lu kannten und dort schon einige Unterhaltungen hatten. Martin Schild hieß mein Gegenüber aus der Nähe von Kaiserslautern. Er erzählte mir dabei auch von seinem Plan einer LEGO® Ausstellung in Kaiserslautern im April 2015. Ich könnte ja meine Burg ausstellen. Jetzt war ich natürlich ganz schön unter Zugzwang, aber der Stolz mit meinem Erstlingswerk bereits zu einer Ausstellung eingeladen zu sein überwog natürlich und so machte ich mich ans Werk. Und tatsächlich habe ich meine Burg pünktlich zum Ausstellungsbeginn fertigbekommen.

Aus den einzelnen Ausstellern aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Luxemburg ist in der Zwischenzeit der gemeinnützige Verein Lauter Steine e. V. geworden: Am 03.10.2015 wurde der Verein in Kaiserslautern gegründet. Martin Schild ist der erste Vorsitzende und ich bin für die Finanzen des Vereins zuständig.

Unsere Ausstellung ist nun bereits im dritten Jahr fester Bestandteil der Gartenschau in Kaiserslautern. Die Gartenschau Kaiserlautern wird von iKL-Gemeinnützige Integrationsgesellschaft Kaiserslautern mbH betrieben. Ziel der iKL ist die Schaffung von Arbeitsplätzen am 1. Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen. Unser Verein Lauter Steine e. V. unterstützt diese Arbeit in dem wir auf dem Gelände der Gartenschau Kaiserslautern die jährliche LEGO® Ausstellung (April bis Oktober) ehrenamtlich planen und veranstalten.

Neben der Burg Baldenau in ihrem vermutlichen Erscheinungsbild im 13ten und 14ten Jahrhundert habe ich die Burgruine Baldenau ein weiteres Mal in ihrem Zustand Ende der siebziger Jahre zu Zeiten der Dreharbeiten von „HEIMAT“ gebaut. Dabei habe ich die im Film zu sehende Picknickszene dargestellt.

Ein weiteres Bauwerk aus meiner Heimat ist die Wahlholzkirche, sie hat eine Fläche von 1,28 m x 1,02 m und ca. 12.000 verbauten Steinen. Am 17.09.2017 durfte ich mein Bauwerk beim Abschlusskonzert des Wahlholz-Konzertsommers in der Wahlholzkirche selbst ausstellen. Aktuell arbeite ich einem weiteren Bauwerk, natürlich handelt es wieder von Morbach.

Das LEGO®  bauen heute ist für mich mit großer Entspannung verbunden, zumal ich mein Steckenpferd in der Zwischenzeit auch mit meinem sechsjährigen Sohn ausüben kann. Es ist immer wieder faszinierend was man mit den kleinen bunten Steinen aus Billund doch alles bauen kann. Die leuchtenden Kinderaugen und auch die vieler Erwachsener bei den Ausstellungen sind der „Lohn“ für dieses schöne Steckenpferd.

Thomas Kraemer

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